Das Adblock-Dilemma: Werbewirtschaft gegen Werbeblocker

Das Adblock-Dilemma: Werbewirtschaft gegen Werbeblocker
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Noch immer ist die Thematik Adblocker ein sehr relevantes und auch kontroverses Thema in den Medien. Immer wieder kommt es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen Medienhäusern und Anbietern dieser Technologie. Der hierzulande bekannteste Adblocker ist AdblockPlus (ABP) der Eyeo GmbH.

Vielleicht fragt ihr euch, warum es überhaupt zu diesen Streitigkeiten gekommen ist? Das möchte ich euch heute einmal erklären. Mein Name ist Claudia und ich arbeite selbst bei der tisoomi GmbH, dem Anbieter eines Anti-Adblockers.

Viele Webseitenbetreiber finanzieren ihre Webseite durch die Schaltung von Werbung und können den Nutzern nur so kostenlose Inhalte von guter Qualität bieten. Adblocker attackieren dieses Modell und verhindern, dass sich User an der dafür unerlässlichen Werbefinanzierung beteiligen. Häufig bleibt dann nur noch die Alternative der Bezahlschranke – doch auch dieses Modell ist bei den Nutzern nicht gerade beliebt.

Ein weiterer Ansatz ist, Adblocker technisch zu umgehen. Unser tisoomi-Gründer Michael Siegler ist sich sicher, dass dies ein vernünftiger Schritt ist: „Die Adblock-Quote wird sich mittelfristig dramatisch erhöhen. Ohne den Schutz vor Adblockern werden Publisher ihre Vermarktungshoheit verlieren und so in existenzielle Nöte geraten.“

tisoomi-services bietet sowohl Advertisern als auch Publishern die Möglichkeit, Werbung selbst bei aktiviertem Adblocker auszuliefern. Klingt zunächst etwas kontrovers. Doch Fakt ist, dass die meisten User einen Adblocker nutzen, obwohl sie gar nicht grundsätzlich gegen die klassische Display-Werbung auf Webseiten sind. Grund für die Installation eines Adblockers sind meist die aggressiven Werbeformate wie Pop-Ups oder Layer-Ads. Um nicht weitere Reaktanzen zu provozieren werden diese aggressiven und Ressourcen-fressenden Werbeformate von tisoomi nicht ausgeliefert.

Viele User surfen im Internet, ohne sich der Nutzung eines Adblocker-Tools bewusst zu sein. Sie haben es schlicht vergessen. Die nicht-nervende Werbung wird aber weiterhin blockiert – und sorgt so für folgenschwere Verluste auf Seiten der Webseitenbetreiber.

Warum also überhaupt einen Adblocker nutzen? „Der User soll entscheiden!“, wie ABP-Pressesprecher Ben Williams bereits in einem Interview sagte. Man will den von Werbung schikanierten Usern die Macht im Internet zurückgeben. Sie selbst sollen entscheiden, wann und wo sie Werbung sehen wollen.

adblocker-lösung

Doch profitieren tut hier hauptsächlich der Anbieter des Adblockers. Denn was kaum jemand weiß, auch die Eyeo GmbH verdient ihr Geld mit Werbeschaltung. Im Rahmen ihres „Acceptable Ads“-Programms können sich Webseitenbetreiber um einen Platz auf der sogenannten „White List“ bewerben. Einmal auf dieser gelandet, wird Werbung auf deren Website durch ABP wieder angezeigt. Zum Teil fließt dafür Geld.  „Die Bezahlung ist allerdings nur als eine Aufwandsentschädigung für den administrativen Aufwand und nicht für das Whitelisting zu verstehen“, heißt es von Eyeo.

Ihr merkt vielleicht auch: da kann irgendetwas nicht ganz richtig sein.

Wie bereits auf mobilegeeks.de berichtet, sehen Richter hier „unter wettbewerbsrechtlichen Aspekten eine gezielte unlautere Behinderung von werbefinanzierten Angeboten nach §4 Nr 10 UWG“ (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb). Weiterhin stellen Richter fest, „dass das ‚mediale Gesamtprodukt‘ einer Internetseite sowohl z.B. aus dem redaktionellen Teil, als auch aus der eingebundenen Werbung bestehe. Ein Adblocker verhindere, dass sich Nutzer der Internetseite trotz der Verwendung der Inhalte an der dafür notwendigen Werbefinanzierung beteiligen“ (mobilegeeks.de).

Es stellt sich die Frage, was man noch tun kann im Kampf gegen Adblocker. Das Problem ignorieren? Sich einen Platz auf der Whitelist erkaufen und damit die Vermarktungshoheit an Adblocker abtreten?

Für Martin Dräger (Geschäftsführer Unruly Deutschland) sind affektive Werbeformate der Ausweg: „Emotionale Werbung, die die Menschen erreicht, persönlich sowie relevant ist und im besten Fall von ihnen geteilt wird.“ Gemeint ist hier vor allem der häufig angepriesene Mehrwert für den Nutzer.

Um das ausprobieren zu können“, wie Michael Siegler sagt, „bietet tisoomi Publishern und Vermarktern ein Schutzschild, hinter dem neue Werbeformate getestet werden können, ohne dass Adblocker die Ergebnisse verfälschen oder sogar wirtschaftlichen Einfluss nehmen“.

Für das tisoomi-Team liegen die Vorteile des Einsatzes der Technologie auf der Hand. Dies ist zum einen der niedrige finanzielle Aufwand: „Die Kosten sind so gering, dass es sich für Vermarkter und Publisher schon ab der ersten AdImpression wirtschaftlich lohnt.“ Weiterhin bietet tisoomi die Möglichkeit, die Vermarktung des Adblock-Traffics in die ‚normale‘ Premiumvermarktung zu integrieren. So können Publisher ihre Umsätze im zweistelligen Prozentbereich wieder ‚zurückholen‘.

Ob nun die Bezahlschranke wie bei Bild.de oder eine technische Lösung wie tisoomis Adblocker-Umgehung der Ausweg ist, bleibt abzuwarten. An dieser Stelle ist es vor allem wichtig, an das Verständnis der Nutzer zu appellieren, dass Werbeeinblendungen ein wichtiger Teil von Webseiten sind. Nur so können Webseitenbetreiber qualitative und vor allem kostenfreie Inhalte zur Verfügung stellen. Fakt ist aber auch, dass aggressive Werbeformate zurückgehen müssen, um den User nicht mit Werbung zu überfrachten. In welche Richtung die Entwicklungen der Branche gehen, bleibt wohl weiterhin ein spannendes Thema.

  • Gastbeitrag von Claudia Heuer

tisoomi GmbH

Bildquelle by keport via Shutterstock.com

Bildquelle by David Carille via Shutterstock.com

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7 Comments
  1. Sollen doch die Webseiten einfach Geld für ihren ach so tollen Premiuminhalt verlangen. Es besteht nun mal kein Grundrecht, dass man mit kostenlosen Inhalte Geld verdienen kann. Die Werbemafia und ihre Handlanger die Webseiten-Betreiber haben halt wie das Fernsehen den Bogen schon vor sehr vielen Jahren total überspannt.

  2. Verstehe manche Leute echt nicht. Ihr wollt die besten Inhalte, dafür nichts zahlen und auch keine Werbung sehen =)

    Mich stört Werbung nicht, solange sie nicht aufdringlich ist. Adsense Anzeigen sind z.B. völlig in Ordnung oder Banner. Aber diese Popups wo man erstmal 30 Sekunden das X suchen muss ist echt nervend.

    1. Ein bisschen Werbung im Blog ist schon OK und das stört mich als Blogleser auch nicht. Schliesslich ist das Bloggen nicht kostenlos und wenn man es einrichten kann, warum nicht refinanzieren.

  3. Hallo,

    interessanter Artikel. Tisoomi kannte ich nun noch nicht. Wahrscheinlich muss man sich da noch mehr einlesen. Aber man darf ruhig skeptisch sein, was AdBlock Plus und Co. betrifft. Das habe ich auch in meinem Artikel zum Ausdruck gebracht.

  4. Hallo Henning,
    ich baue das hier im Blog noch vermutlich ein, muss mich nur kundig machen, ob es alles so hinhaut, wie es sein soll. Ab dann wird Werbung immer angezeigt, trotz dem Ad-Blocker 🙂

    Vielen Dank für den Artikellink, meine Leser interessiert es vielleicht.

  5. Also ich finde es auch überhaupt nicht schlimm, wenn ein Blogger, oder generell irgendeine Seite Werbung schaltet. Wer gute Inhalte bietet, den bin ich auch bereit zu unterstützen. Google arbeitet momentan ja auch selbst daran einen Google eigenen Adblocker in Google Chrome einzubinden. Eine Schweinerei finde ich jedoch, dass es in den USA Gerüchte dazu gibt, dass sich Werbefirmen gegen Zahlung an Google von dem AdBlocker “freikaufen” können. 

    1. Ich bin mit Bannerwerbung in Blogs gross geworden. Damals gab es das Format 125x125Px, was ein totaler Hype war und jeder tauschte Bannerplätze in eigenen Blogs. Heute mache ich so etwas nicht, aber ein bisschen Ads von Google ist ganz ok. Banner, die du hier bei mir siehst, sind alle freiwillig gesetzt oder ich interessiere mich für diese OpenSource CMS. Nicht mehr und nicht weniger. Ad Bocker nie genutzt und werde das auch nie.

      Mal schauen, was sich da Googlchen wieder ausgedacht hat 🙂 Mit Chrome surfe ich aber schon noch, denn FF und Edge sind nicht gut für mich.

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