Interview mit Eva Missling, Generalmanager Europe bei 99Designs.de

Inhaltsverzeichnis

Interview zwischen Alexander Liebrecht und Eva Missling zum Thema 99designs.de und dem Tausch zwischen Job im Büro gegen eine Auslandstätigkeit

  1. Hallo Eva! Bitte stellt dich kurz meinen Lesern vor! Welche Tätigkeiten besetzt du im Internet und wie bist du dazu gekommen, dass du diese Tätigkeiten ausübst?

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Eva Missling, General Manager Europe bei 99designs

Hallo Alexander! Nachdem ich mehrere Jahre als Konzepterin und strategische Partnerin in Internetagenturen gearbeitet habe, gründete ich 2009 den Design-Marktplatz 12designer. Nach der Akquisition von 12designer durch 99designs im August 2012 bin ich dafür verantwortlich, den Standort von 99designs in Deutschland (Berlin) auszubauen und treibe die Internationalisierung des Unternehmens in Ländern wie Frankreich, Italien, Spanien, Österreich, in der Schweiz und den Niederlanden voran.

  1. Die Webseite 99designs.de ist für mich noch unbekannt. Was kann man dort genau machen, wenn man ein Nutzer oder ein Webdesigner ist?

99designs ist der weltweit größte Online-Marktplatz für Grafikdesign. Wenn jemand ein Design braucht, wie zum Beispiel eine Unternehmenswebseite, ein Logo oder auch ein Tattoo, kann er dies auf der Seite ausschreiben. Zu jedem Wettbewerb gehört ein aussagekräftiges Briefing – optimalerweise auf Englisch – auf das sich Designer aus der ganzen Welt mit ihren Entwürfen bewerben können. Der Ausschreibende wählt dann den Entwurf aus, der ihm am meisten gefällt. Wer weniger entscheidungsfreudig ist, hat außerdem die Möglichkeit, den Wettbewerb öffentlich laufen zu lassen, um das Feedback von anderen einfließen lassen zu können.

Unsere Designer-Community umfasst inzwischen über eine Million Kreative weltweit. Ganz nach ihren individuellen Vorlieben fertigen sie Entwürfe für die Ausschreibungen an, die ihnen selbst liegen und haben bei Gefallen die Chance auf eine langfristige Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber.

  1. Ich habe vor kurzem eine Mail von eurem Pressekontakt bekommen und es ging um das Thema Jobtausch zwischen Büro und Ausland. Was ist damit genau gemeint?

Gerade in der Urlaubszeit wird vielen Menschen ihr Büro „zu eng“. Sie sehen bei Facebook, Instagram, Twitter & Co. Bilder von den schönsten Plätzen der Welt. Wer will da nicht auch gerne für einen längeren Zeitraum in einem anderen Land leben? Das größte Hindernis stellt für diesen Wunsch in der Regel der Job dar, den man aber nicht aufgeben will. Wir haben diese Pressemitteilung geschrieben, um aufzuzeigen, wie es möglich ist, den eigenen Arbeitsplatz an eine Destination der Wahl zu verlagern – das Internet macht’s möglich.

  1. Was ist für die Organisation eines solchen Jobtausches notwendig? Was muss ein Arbeitnehmer dafür alles tun?

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man nicht einfach seine Sachen packen kann und los geht’s. Ein Auslandsaufenthalt, der in Verbindung mit der Arbeit steht, bedarf einiges an Vorbereitung. Zuerst sollte man sich fragen, ob das Unternehmen von sich aus nicht die Möglichkeit eines Auslandsaufenthaltes bietet. Gibt es vielleicht Zweigstellen oder Partner-Unternehmen im Ausland? Es ist ratsam, den Chef von Anfang an in den Plan einzubeziehen, weil er diesen Wunsch vielleicht sogar begrüßt und daher bei den Vorbereitungen unterstützend unter die Arme greift oder Beziehungen spielen lässt.

Hat sich herausgestellt, dass man sich selbst für ein Land entscheiden muss beziehungsweise darf, sollte man nicht vergessen, dass eine Zeitverschiebung mitunter zu Problemen führen kann. Ist man auf eine dauerhafte Kommunikation mit Kollegen oder Geschäftspartnern angewiesen, sollte der Zeitunterschied so gering wie möglich sein. Andernfalls stresst man entweder sich selbst oder die Kollegen – derartige Unwägbarkeiten sollten natürlich nicht das Ziel sein. Dass an dem jeweiligen Ort eine zuverlässige Internetverbindung gegeben sein muss, versteht sich von selbst. Nur dann gelingt es, aus der Ferne auf relevante Daten in der Cloud zuzugreifen oder sich via Skype oder Google Hangout auszutauschen.

Je besser man den Aufenthalt vorbereitet und je besser die Kollegen und Partner eingeweiht sind, desto erfolgreicher wird der Trip. Schließlich hat man die einmalige Chance, aus dem Arbeitsalltag herauszukommen und einen ganz neuen Blickwinkel auf das Leben und natürlich auch auf die Arbeit zu erhalten, was die eigene Kreativität beflügeln und so zu außergewöhnlich guten Ergebnissen führen kann.

  1. Kommt dieser Jobtausch für jeden Arbeitnehmer in Frage oder muss man in einer bestimmten Branche tätig sein?

In eher traditionellen Unternehmensstrukturen, in denen auf physische Anwesenheit großer Wert gelegt werden, dürfte das genauso schwierig werden wie für Außendienstler, die ihre Kunden vor Ort besuchen. Hat man allerdings einen Bürojob und es besteht beispielweise eine cloud-basierte interne Vernetzung, stehen die Chancen gut. Allerdings hat das letzte Wort immer der Arbeitgeber. Verweigert dieser bereits die Option von zu Hause aus zu arbeiten, wird es sicherlich schwierig, ihn davon zu überzeugen, vom Ausland aus für das Unternehmen tätig zu werden.

  1. Hast du persönliche Erfahrungen mit dem Arbeiten im Ausland und was kannst du einem Arbeitnehmer empfehlen, wenn dieser einen Job im Ausland zugeteilt bekommen hat?

Ich bin gerade nach drei Monaten zurück aus unserem Büro in San Francisco gekommen. Für mich ist es sehr wertvoll, auch in unseren anderen Büros zu arbeiten, da es mir hilft, die feinen Details in den unterschiedlichen Kulturen zu verstehen, die manchmal, wenn man nur via Videokonferenz und E-Mail kommuniziert, zu Missverständnissen führen. In den USA ist beispielsweise das Thema Projektmanagement deutlich weniger ausgeprägt und Deadlines sind viel weicher – das führt bei unserem Berliner Team, welches an die Einhaltung von Zeitpunkten gewöhnt ist, manchmal zu Unzufriedenheit. Im Gegenzug sind unsere US-Kollegen eher für neue Werbemaßnahmen zu begeistern, sodass wir hier früher Innovationen aufgreifen. Die Verhaltensweisen einschätzen zu können, hilft mir, die Teams besser zu steuern.

Es ist immer bereichernd, im Ausland zu arbeiten – wenn auch nur kurz. Von daher ist mein Tipp, sich erstmals unvoreingenommen darauf einzulassen und nicht immer zu denken, dass man genau weiss was richtig und falsch ist.

  1. Im Ausland beim Arbeiten braucht man auch einen Zugang zu den Daten, den Dokumenten und vielen Unterlagen des eigenen Unternehmens. Wie kann man es anstellen, damit dies gewährleistet ist?

Wenn ein Unternehmen seine Daten in einer Cloud ablegt, haben die Arbeitnehmer die Chance, von überall auf die Daten zuzugreifen. Es gibt aber auch andere Serverlösungen, die einen Zugriff aus der Ferne ermöglichen.

  1. Muss man im Ausland als Arbeitnehmer permanent telefonisch erreichbar sein oder kann man alles via Internet verwalten und managen? Was kannst du meinen Lesern dazu sagen?

Das hängt ganz vom Job ab. Die Frage ist, ob man auch im Büro ständig angerufen wird oder der Großteil der Kommunikation online erfolgt. Wer sich im Büro das Ohr nicht wund telefoniert, wird dies im Ausland auch nicht tun.

  1. Wie lange wird man im Ausland arbeiten können oder ist es abhängig von der Frist der vorhandenen Tätigkeit?

Typischerweise ist es entweder eine Geschäftsreise, ohne dass man seinen Wohnsitz verlagert, oder aber ein wirklicher Auslandsaufenthalt, welcher einiges an Vorbereitung wie zum Beispiel auch ein Visa bedarf. Idealerweise findet man zuerst im Rahmen einer Geschäftsreise heraus, ob ein längerer Aufenthalt eine gute Idee ist.

  1. Falls ein heimisches Unternehmen eine weitere Filiale im Ausland hat, wird man dabei eine sprachliche Barriere haben? Muss man zum Beispiel als Arbeitnehmer Englisch-Kenntnisse mitbringen oder gibt es in solchen Fällen auch deutsche Mitarbeiter, die stets im Ausland eingesetzt werden?

Das unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen. Es gibt ja auch Unternehmen in Deutschland, deren Unternehmenssprache Englisch ist. Grundsätzlich sollte es aber der eigene Anspruch sein, sich im Ausland verständigen zu können.

  1. Wird man nur als ein erfahrener Arbeitnehmer einer ausländischen Tätigkeit nachgehen können oder ist es auch für Beginner und junge Arbeitnehmer geeignet?

Grundsätzlich würde ich sagen, dass das Vertrauen einem langjährigen Mitarbeiter gegenüber größer und es dementsprechend wahrscheinlicher ist, dass er ins Ausland gehen darf.

  1. Und was kannst du einem jungen Arbeitnehmer mit auf den Weg geben, wenn dieser gerne für das eigene Unternehmen ins Ausland geht, um dort zu arbeiten, neue Erfahrungen zu sammeln und sich von dem Auslandsstandort inspirieren zu lassen?

Ich denke, dass es durchaus sinnvoll ist, sich erst mal in den „neuen“ Arbeitsstrukturen zu etablieren. Ist dies geschehen und der Wunsch ins Ausland zu gehen immer noch da, sollte man mit dem Chef darüber sprechen und ihm Argumente liefern, inwiefern das Unternehmen von diesem Auslandsaufenthalt profitiert. Sind diese stichhaltig und überzeugend, hat der Vorgesetzte kaum noch eine Chance nein zu sagen.

Dann danke ich dir für das Gespräch und wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Spass bei deiner Tätigkeit bei 99designs.

By Alexander Liebrecht und Eva Missling

Bildquelle by Eva Missling

Autor: Alexander

Ich bin 33j. jung, befasse mich mit dem Blogging, dem Webmastern und bin in den bekannten Social Networks wie Twitter, Facebook und Google+ aktiv. Weitere Blogs von mir sind solche wie Liebrecht.cc und Wpzweinull.ch. Ansonsten treibe ich gerne Sport und fotografiere gelegentlich mit meiner Canon-Kamera.

8 Gedanken zu „Interview mit Eva Missling, Generalmanager Europe bei 99Designs.de“

  1. Sehr aufschlussreiches Interview! Ich habe selbst auch den Traum irgendwann in Zukunft einmal im Ausland arbeiten zu können. Solange man die Entscheidung nicht unvorbereitet trifft, sollte man die gröbsten Fehler vermeiden können.

  2. Ich finde die Möglichkeiten heute toll. So kann die große Welt ganz schnell recht winzig werden. Wenn denn nur mehr Firmen flexibler wären. Da kommt doch oft noch das typisch deutsche Denken bzgl. Pünktlichkeit, Kontrolle, Korrektheit,… durch 🙂

  3. Eine ziemlich interessante Idee, die wohl grade für jüngere Arbeitnehmer ideal sein dürfte. Allerdings wird hier ja schön die Schwierigkeit beschrieben, gleich als Frischling mal ins Ausland zu düsen. Da haben wir Digitalen Nomaden als Selbständige es etwas einfacher. Mittlerweile gibts unendlich viele Coworking Places rund um den Globus.
    In den klassischen deutschen Betrieben dürfte so ein Vorschlag aber für lange Jahre noch eher schlecht ankommen. 🙂
    Gruß
    Max kürzlich veröffentlicht…Otto.at GutscheinMy Profile

    1. Hi Max,
      schön, mal wieder dich hier zu sichten 🙂 Alles gut sonst bei dir?? Ja, ich war schon mal vier Mal in der Schweiz zum Leben und Arbeiten und das war cool. So eine wertvolle Erfahrung bleibt auf ewig in einem und ich kann jedem Jugendlichen empfehlen, einmal im Ausland zu arbeiten.

      Sicher muss alles geregelt werden und ein kleines Budget muss man haben und die Sprache des Landes muss man können. Das mit der Schweiz war nicht so problematisch, denn die Schweizer verstehen ja auch Hochdeutsch und es macht denen nicht viel aus, wenn die Deutschen ihre Sprache sprechen. Das ist halt so und mir hat damals BernDeutsch gefallen. Ist auch schon vier Jahre her seit dem letzten mal.

  4. Sehr lesenswertes Interview. Habe 99designs selbst mal genutzt und war im Großen und Ganzen ganz zufrieden mit dem Endergebnis.
    Die Plattform und das Konzept ist jedenfalls klasse.

  5. Hallo Meike,
    vielen Dank für dein Feedback, freut mich, dass dir das Interview so sehr gefallen hat. Die Fragen stammen natürlich von mir und waren keine Absprache oder so etwas. 99Designs kannte ich früher nicht, erst durch das Interview mit Eva habe ich etwas mitbekommen. Scheint ein guter Online-Marktplatz zu sein, ohne dass ich mich dort angemeldet habe.

    Das Thema Arbeiten und Leben im Ausland betraf mich auch in der Vergangenheit und meine Erfahrungen konnte ich damals mit der Schweiz sammeln. Ach je, es war eine tolle Zeit. Vielleicht kann ich das mal in 10 Jahren wiederholen 🙂

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